Sonntag, 24. Dezember 2017

Schneepoet von Nika Sachs - Rezension

Ich wünsche euch einen wunderschönen Heiligabend! Ich hoffe ihr geniesst die Festtage, verbringt viel Zeit mit der Familie und hoffentlich auch genug Lesezeit! 


⭑⭑⭑⭑⭑
Twentysix Verlag
285 Seiten
Tagebuchroman

Lukas beendet seine vieljährige Beziehung, nachdem er bemerkt, dass er zuerst mit sich selbst, seiner manisch-depressiven Erkrankung und vor allem mit dem bislang geheimen Zwillingsbruder umgehen lernen muss. Er zieht kurzer Hand von Frankfurt nach Paris, bricht jeglichen Kontakt mit Deutschland ab und beginnt Tagebuch zu schreiben. Er befindet sich in einem Zwiespalt in jeglicher Weise: Er weiss nicht mehr wo er zu Hause wird, weiss nicht wie er mit seinem Zwillingsbruder umgehen soll und wie er seine Frau fürs Leben, Inga, wieder zurückbekommen kann. Er versucht mit sich ins Reine zu kommen, indem er diesem Buch seine tiefen Gedanken, Höhenflüge und dunklen Ecken mitteilt. Er versucht sich zu befreien von jeglicher Verantwortung, mit Drogenexzessen unzähligen Frauen und Parties um sich vor sich selbst zu verstecken. Doch er ist bereits Ende 20, hat keine Ziele oder Pläne und kommt nicht von Inga los und merkt, dass er sein Leben und seine Einstellung grundlegend verändern muss, um wirklich leben zu können. Doch das verlangt nach grosser Selbstdisziplin und einschneidende Massnahmen, die zu ergreifen, ohne Hilfe unglaublich schwierig sind.   

Ich wurde aufgrund einer positiven und anregenden Rezension einer Bloggerin (ich kann mich leider nicht mehr erinnern, wer es war) auf dieses Buch aufmerksam und kann mich mittlerweile auch nur anschliessen mit der überzeugten Meinung!

Bereits von Seite eins an, konnte mich die Geschichte in den Bann ziehen. Lukas erzählt dem Leser die Geschichte, in Form eines fortlaufenden Tagebuchs, das er regelmässig führt. Sachs schreibt mit einem nüchternen Stil und lebt von Einfachheit und dem mitlaufenden Humor. Allerdings wird auf keinen Fall die depressive Erkrankung von Lukas humorisiert, sondern die Probleme und Eigenheiten dieser Krankheit werden ausserordentlich genau rekonstruiert. Mit viel Tragikomik erzählt Lukas von seinem Alltag. 
Er verliert sich immer wieder in seinen Gedanken, die ihn in Panikattacken führen und ihn schonungslos seiner Krankheit überlassen. 

Nach der Trennung von Inga führt Lukas ein sehr selbstzerstörerisches Leben, das mir als Leserin auch wirklich nahe gegangen ist, da ich wusste, dass das ein schlechter Weg ist, mit seinen Problemen umzugehen. Aber daneben wird es humorvoll und selbstreflektierend dargestellt, was der Lektüre ein Teil der Ernsthaftigkeit nimmt, ohne die ernstzunehmende Krankheit zu verhöhnen. 

Er lebt zusammen mit Niri, die ungewollt schwanger und allein gelassen wurde. Sie halten sich gegenseitig über Wasser und bewahren sich gegenseitig davor, unter zu gehen. Schliesslich ziehen sie gemeinsam mit Silas, dem Zwillingsbruder von Lukas in dessen Elternhaus. Auch Silas hat Probleme, sich selbst der Welt zu öffnen und flüchtet sich in Neurotische Verhaltensweisen und Berge von Arbeit. 

Schonungslos wird er von seinem Bruder, später von Ingas Großmutter und auch Louise zurecht gewiesen. Das tut weh, sie nehmen kein Blatt vor den Mund aber im Innern weiss er, dass das nötig ist, um ihn die richtige Bahn zu weisen. Auch Lukas selbst schreibt erbarmungslos und weiss im Prinzip auch, dass er sich zwingend ändern muss, um sich selbst und sein Leben in den Griff zu bekommen. 

Der erste Band endet mit einem schrecklichen Plotwist und lässt mich mit unglaublicher Neugierde zurück! Ich bin schon sehr gespannt auf den zweiten Teil, der im Frühjahr 2018 erscheinen wird und mich hoffentlich genau so beeindrucken kann wie dieser erste Teil!

Auf jeden Fall muss erwähnt werden, dass diese Lektüre auf keinen Fall für sensibel reagierende Menschen auf körperliche Gewalt und Selbstzerstörerische Handlungen, geeignet ist und im Vorwort auch eine eindeutige Trigger Warnung enthalten ist! 

Nika Sachs hat mit diesem Buch ein Kunstwerk geschaffen, das unbedingt mehr Aufmerksamkeit verdient!

Vielen herzlichen Dank an den Twentysix Verlag, für das Rezensionsexemplar! 

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