Freitag, 1. Dezember 2017

München von Robert Harris - Rezension

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Heyne Verlag
426 Seiten
Politthriller

"Was heute Vergangenheit ist, dessen sollten wir uns immer bewusst sein, war einst Zukunft" - F.W. Maitland, Historiker


September 1938: Kurz vor der Unterzeichnung des Münchner Abkommens. Der Leser begleitet einerseits Hugh Legat, Privatsekretär des Premierminister Englands und andererseits Paul von Hartmann in Deutschlands Aussenministerium. Hitler will im Sudetenland einmarschieren und dies für die Sudetendeutschen beanspruchen. Es ist offensichtlich, dass das einen Weltkrieg auslösen würde. Die Länder England und Frankreich versuchen stark zu intervenieren und einigen sich schlussendlich mit Hitler darauf, dass er die beanspruchten Teile an für Deutschland erhält, allerdings ohne Gewalt. Gleichzeitig entwickelt sich in Deutschland eine Oppositionsgruppe innerhalb der höchsten Positionen des Reiches. Diese sind im Besitz eines Beweises, dass Hitler nach der Eroberung Tschechiens nicht aufhören wird und weitere Eroberungskriege geplant hat. Von Hartmann, der in Oxford studiert hat, hat die Aufgabe diesen Beweis Chamberlain höchstpersönlich zu überreichen, mit Hilfe seines Freund Legat, den er aber seit Jahren nicht gesehen hat. Während der Tage des Abkommens kreuzen die Wege der Beiden, allerdings ist die gesamte Situation um einiges Komplizierter als erwartet und was genau verbindet die beiden in der Vergangenheit?  

Über die beiden Weltkriege, vor allem auch den Zweiten, habe ich bereits viel Literatur gelesen. Allerdings habe ich tatsächlich vom Münchner Abkommen noch kaum je etwas Genaueres gehört und war dementsprechend sehr interessiert an der Thematik! Robert Harris legt dieses sehr übersichtlich aus, ich habe mich trotzdem noch weitergehend informiert damit ich der Handlung bewusst folgen konnte. Wir erhalten eine detaillierte Erklärung, wie kompliziert die Politik sich zu dieser Zeit organisierte und auch was es heisst in einer hohen Position Entscheidungen fällen zu müssen. Was es auch für Familien bedeutet wenn ein Mitglied für den Premierminister arbeitet. Aber nicht nur das, sondern sehr interessant fand ich den Aspekt der Kommunikation; Die Telegrafie stellte das Hauptkommunikationsmedium dar, war aber auf jeden Fall ein komplizierter Prozess und die Verbindung war nicht immer garantiert. Email und Mobiltelefone finden wir natürlich auch nicht, so dass viele Arbeitnehmer Botengänge machen und grossen Aufwand für die Kommunikation betrieben werden musste. 

Die Charaktere waren gut ausgearbeitet, haben Persönlichkeit, aber gerade die beiden Protagonisten, vor allem Paul von Hartmann, waren mir unglaublich unsympathisch. Was die Geschichte aber für mich nicht gestört hat, sondern sie eher vorangetrieben hat. Sie hatten realistische Hintergründe und offensichtlich eine gemeinsame Vergangenheit, die wir als Leser aber erst am Ende wirklich verstehen. Ausserdem wurde Hitler relativ genau dargestellt, vor allem auch seine Wirkung, was ich wirklich interessant fand.

Leider hatte ich eine kleine Leseflaute und kam deshalb nicht richtig in den Lesefluss. Ich bin der Meinung, dieses Buch hat auf jeden Fall fünf Sterne Potential, für mich stellte es aber einfach nicht die ultimative Geschichte dar. Die Handlung wurde vorangetrieben und das Ende war nicht vorhersehbar und dass die Protagonisten verfolgt und beschattet werden, hat die unangenehme Atmosphäre, die von dem Buch ausgeht nicht erleichtert. 

Mit München hat Robert Harris einen Politthriller geschaffenen, der clever zwischen Realität und Fiktion steht. Ein sehr interessantes, historisches Ereignis wird behandelt die den Leser in Bedrängnis zurücklässt und ich konnte mir wirklich die Art Hitlers zu regieren vorstellen. Ich empfehle euch dieses Buch auf jeden Fall, wenn ihr euch für die Geschichte Deutschlands und auch vergangenen Kommunikationsmodelle interessiert. 

Vielen Dank an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar. 

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