Dienstag, 21. November 2017

Leere Herzen von Juli Zeh - Rezension


Luchterhand Verlag
348 Seiten
Dystopie

Handlung: 
Wir befinden uns weniger als zehn Jahre in der Zukunft und begleiten Britta und ihre Familie bei ihrem alltäglichen Leben. Zusammen mit Babak führt sie die Brücke, eine Praxis für eine ganz spezielle Art von Psychotherapie und vor allem auch einem sehr speziellen Angebot, die jedoch für etwas Gutes zu sein scheint. Allerdings erhalten sie auf dem Markt Konkurrenz, die nicht nur ihr Berufsleben bedroht sondern bald auch ihre beiden Leben. Sie müssen schnell und präzise Handeln um eine Katastrophe zu verhindern!

Meinung: 
Ich habe dieses Jahr bereits Die Stille ist ein Geräusch von Juli Zeh gelesen, wobei ich viel gelacht und ihren Schreibstil wirklich gemocht habe. 
Schon lange wusste ich, dass Leere Herzen erscheinen wird und das ich mir das unbedingt ansehen möchte. 
Ich halte das Cover und auch den Titel für sehr gelungen und passend. 
Als ich dieses Buch dann auf vorablesen entdeckt hatte, habe ich sogleich die Leseprobe gelesen und die hat mir auch wirklich gut gefallen, so dass ich mich sehr auf die Lektüre gefreut habe. 

Allerdings habe ich nicht wirklich das bekommen, was ich mir gewünscht habe.
Zu allererst ist auf jeden Fall zu sagen, das Juli Zehs Schreibstil mich wieder wirklich überzeugen konnte. Mit Humor und Beschreibungen bringt sie dem Leser das Deutschland in der Zukunft näher und lässt die Geschichte lebendig werden. 

Neben dem Schreibstil fand ich auch die Idee grandios. Ich bin ein grosser Fan von gesellschaftskritischen Dystopien, die mit einer grossen Menge an Wahrheitsgehalt arbeiten. Das hat Zeh hier auch umgesetzt. Die Vorstellung und die Entwicklung Deutschlands schien mir plausibel und sehr interessant. Allerdings konnte mich die darin spielende Geschichte nicht überzeugen. 

Bereits von Anfang an schien mir Britta unsympathisch. Ich würde sie als Workaholic beschreiben, die soziale Kontakte mehr für ihre Tochter pflegt und daran eigentlich gar keine Interesse hat. Ausserdem schien sie mir auch sehr selbstbezogen und gerade gegenüber ihrem engen Freund Babak schien sie sich als über ihm stehend zu sehen.
Das kann natürlich vorkommen und zeugt auch nicht von einer schlechten Lektüre sondern rein von einem unterschiedlichen Geschmack. Mir hat es das Buch etwas verdorben. Vor allem, weil sich Britta immer mehr in das hineinsteigert und mir wirklich immer wie unsympathischer wurde. Außerdem scheint Britta eine Zwangsstörung zu haben, deren Zweck oder Einfluss auf die Geschichte mir einfach nicht klar werden wollte. Sie kann nicht mit Dreck oder Unordentlichkeit umgehen, falls sie damit konfrontiert wird, muss sie sich übergeben. Allerdings wird dies auch erst im Laufe der Geschichte bekannt, so dass ich lange das Gefühl hatte, sie könnte Schwanger oder auch krank sein. Ich habe mich während des Lesens auch immer wieder gefragt wo Britta steht und was für Ziele sie hat, denn ich hatte das Gefühl, trotz, dass wir viel über sie erfahren haben im Prinzip nicht zu wissen was für ein Mensch sie ist. 

Ein grosser Punkt der mich gestört hat, waren viele unter anderem auch Parteien, Praktiken und Dinge die in dieser Welt erschienen sind, die wirklich nicht definiert oder im Fliesstext erklärt wurden. Natürlich, Parteien die bereits heute bestehen und von denen ich einfach nichts wusste, kann ich hier nicht dazu zählen. Aber zum Beispiel das Prinzip der Brücke. Sehr lange war mir nicht klar, was die beiden eigentlich machen. Ich denke, das sollte wohl Spannung aufbauen, mich hat es aber leider genervt und beim Lesen aufgehalten. 

Wie sich die Geschichte schlussendlich entwickelt hat, fand ich auch wirklich nicht besonders gut und der Plot, konnte mich einfach nicht mitreissen. Ich bin der Meinung, die Geschichte und das Setting haben grosse Potential, aber die Umsetzung hätte anders viel besser funktionieren können. Oft wurden Vorgehensweisen nicht wirklich erklärt, so dass ich mich immer wieder fragen musste, wieso hat sie das jetzt so getan. Das Ende bzw. die Aufösung war für mich auch wirklich künstlich und gewollt, nicht wirklich realistisch. 

Auf dem Buch steht zwar Roman, aber Kritiker haben das Buch als Politthriller bezeichnet, was ich wirklich nicht nachvollziehen kann, denn mit einem Thriller hat diesen Buch wirklich nichts am Hut. Ein interessanter Aspekt der Dystopie ist natürlich die Gesellschaftskritik, die man besonders auch an der Tochter Brittas und ihrer Freundin sehen kann. Das Interesse für Politik ist in dieser Zukunft stark gesunken, die Kinder lernen bereits im Kindergarten Programme zu entwickeln und Gewalt und Kämpfe scheinen sehr beliebt zu sein. 

Fazit: 
Im Grossen und Ganzen finde ich die Idee grossartig und auch der Schreibstil konnte mich überzeugen. Allerdings hat mich die Geschichte nicht mitreissen können, sondern eher nur genervt. Ich würde euch dieses Buch eher nicht empfehlen, sondern euch raten zu einem anderen Buch von Juli Zeh zu greifen, denn sie kann es wirklich besser. 

Mein Herzlicher Dank für das Rezensionsexemplar geht an https://www.vorablesen.de

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