Mittwoch, 15. November 2017

Kleine grosse Schritte von Jodi Picoult - Rezension


C. Bertelsmann Verlag
584 Seiten

"Während der Recherche zu diesem Buch befragte ich weisse Mütter, wie oft sie mit ihren Kindern über Rassismus sprachen. Manche meinten gelegentlich, einige gaben zu, noch nie darüber diskutiert zu haben. Als ich schwarzen Müttern dieselbe Frage stellte, sagten sie alle: jeden Tag. " - Jodi Picoult, Kleine Grosse Schritte, S. 583

Handlung
Ruth Jefferson ist seit 20 Jahren in einem Krankenhaus als erfolgreiche Hebamme tätig und Afroamerikanerin. Sie ist erfolgreich, beliebt bei ihren Kollegen und hat sich ihr ganzes Leben lang, an ihr Umfeld angepasst. Doch eines Tages kommt Turk Bauer mit seiner schwangeren Frau in das Spital um ihr Baby zu Gebären. Die beiden Rechtsextremisten wollen auf keinen Fall, dass Ruth ihr Baby berührt, aufgrund ihrer Hautfarbe. Ihre Vorgesetzte zieht sie von diesem Fall ab. Allerdings ist in einer Notsituation Ruth die einzige, die das Kind vor einem Herzstillstand retten kann. Als sie nicht reagiert und damit ihren Anweisungen folgt, stirbt das Kind. Es kommt zu einer Mordanklage und Ruth muss beweisen, dass der Tod des Kindes nichts mit Hass, Rassismus oder Ähnlichem zu tun hat und sie richtig gehandelt hat. 

Meinung
Beginnen wir mit der Darstellung: Ich finde den Buchumschlag und vor allem auch den Titel, der sich auf ein Zitat von Martin Luther King jr. bezieht sehr schön bzw. ergreifend, vor allem, wenn man den Kontext des Titels kennt.  

Ich wusste ungefähr was mich erwartet, als ich angefangen habe zu lesen. Ich wusste es geht um einen rassistischen Prozess, der einer unschuldigen Afroamerikanerin gemacht wird, im Prinzip nur weil sie schwarz ist. Aber ich konnte nicht wissen, dass dieses Buch eine Schatzkiste mit unglaublichem Wert ist. 

Wir verfolgen die Geschichte aus den Perspektiven der Protagonisten. So erfahren wir nicht nur die Sicht von Ruth, sondern auch die, ihrer Pflichtverteidigerin Kennedy und dem Rechtsradikalen Turk Bauer. Diese Aufteilung mochte ich besonders gerne, denn gerade bei einer solchen Thematik ist es interessant die Meinung einer "Aussenstehenden" (Kennedy) zu erfahren. Sie macht während des Prozesses eine unglaubliche Wandlung durch. Anfangs geht es rein darum, Ruth zu verteidigen, sich für eine möglichst kleine Strafe einzusetzen. Allerdings reflektiert sie, auch mit Ruths Unterstützung, stark über sich selbst und denkt viel über Rassismus, vor allem auch den passiven Rassismus nach. 
So ging es auch mir und eine grosse Frage die ich mir während des Lesens gestellt habe, ist ob wenn wir uns, bemühen möglichst nichts rassistisches und Angst davor haben etwas Beleidigendes zu sagen, macht uns das nicht wieder zu Rassisten? 

Sehr unterhaltsam fand ich die Unterteilung in die verschiedenen Phasen einer Geburt, jeweils mit sehr passenden und denkwürdigen Zitaten. In der Schweiz ist das Sprichwort "Das war eine Zangengeburt" bekannt, was soviel wie, das war sehr schwierig oder anstrengend, bedeutetet. AN das musste ich immer wieder denken, bei dem Prozess, da dieser wirklich eine schwierige Angelegenheit ist. Jodi Picoult vermittelt uns gesellschaftskritische, wichtige Prinzipien und Ansichten in einem sehr unterhaltsamen Rahmen. 

Ich als Leserin habe mich von Anfang an automatisch auf Ruths Seite geschlagen und war immer wieder schockiert, wie Menschen, die bestimmte Überzeugen haben, denken können. Ich bin auf jeden Fall mit viel Aufklärung und Akteptanz aufgewachsen, so dass für mich, diese Ansichten noch einmal unglaublich schockierend waren und mich sehr an den Nationalsozialismus in Deutschland erinnert hat. 

Ruth findet in Kennedy eine treue Anwältin, die ihr bestes gibt, ihr einen Freispruch zu ermöglichen. Allerdings merkt sie schnell, dass es ihr "nur" um das geht. Immer wieder sagt die Pflichtverteidigerin, Rassismus gehört in diesem Prozess nicht in den Gerichtsaal, das würde ein falsches Bild vermitteln. Aber Ruth kann das nicht akzeptieren, es geht schliesslich darum, solche Anklagen zu verstehen und zu hinterfragen! In Zukunft zu vermeiden, sie beschliesst am Ende, auszusagen und ihre Seite und den Rassismus dieser Anklage zu erläutern und wird damit von einem bekannten Mann, der sich für Afroamerikaner öffentlich einsetzte unterstützt. 

Dieses Buch ist meiner Meinung nach auf jeden Fall Pflichtlektüre für jeden! Vor allem auch für jüngere Leser, um sich dem Rassismus und was im Prinzip alles dazu gehört und wie es sich anfühlt so unterdrückt und eingezwängt zu leben. 

Zum Schluss möchte ich euch gerne ein Video ans Herz legen, allerdings enthält es einen Spoiler auf das Buch, also bitte schaut es euch nicht an, falls ihr das Buch noch lesen möchtet. https://www.youtube.com/watch?v=iGoNCLsGY20 

Fazit
Wie bereits gesagt, ich bin der Meinung, das ist ein unglaublich wichtiges Werk, das Jodi Picoult hier geschaffen hat. Jeder von euch, der nur ein Buch im Jahr oder alle zwei Jahre liest, sollte zu diesem Buch greifen. Es vermittelt so viel Wertvolles und zeigt wie grosse grosse Wandlungen ein Mensch durchmachen kann, wenn er sich seinem Fehlverhalten nur bewusst wird, dass jeder davon wissen muss. 

Vielen herzlichen Dank an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar. 

Kommentare:

  1. Hey Elodie
    Das Buch kenne ich gar nicht, aber es klinft super interessant. Bei diesem Cover und Titel hätte ich eine völlig andere Geschichte erwartet, aver der Klappentexthat mich soch etwas neugierig gemacht. Deine Rezension klinft wirklich überzeugend, weswegen es auch direkt auf meine To-Read Liste gewandert ist :)
    Liebste Grüsse
    Julia

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  2. Hallo Elodie,
    ich habe gherade deinen Blog gefunden, da ich im Moment ebenfalls "Kleine große Schreitte" von Jodie Picoult lese. Ich bin aber erst in der Mitte. Allerdings gehlrt die Autorin zu meinen Lieblingsautorinnen.
    Liebe Grüße
    Martina...die gleich mal hier bleibt
    https://martinasbuchwelten.blogspot.co.at/

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